Pferd & Gesundheit

Entwurmung beim Pferd: selektiv oder nach Schema?

Viermal im Jahr entwurmen war jahrzehntelang Standard — und ist heute fachlich überholt. Was stattdessen gilt und wie der Umstieg praktisch läuft.

Cabalgo Redaktion · 31. Juli 2026 · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Die selektive Entwurmung gilt heute als fachlicher Standard: Über eine Kotprobe wird geprüft, welches Pferd tatsächlich behandlungsbedürftig ist, statt alle Pferde in festen Intervallen zu entwurmen. Der Grund sind zunehmende Resistenzen. Unabhängig vom Verfahren bleiben zwei Behandlungen pflicht: eine Bandwurmbehandlung und eine gegen Magendasseln im Spätherbst.

Warum sich die Empfehlung geändert hat

Jahrzehntelang galt: Jedes Pferd wird drei- bis viermal jährlich entwurmt, unabhängig davon, ob es Würmer hat. Das war einfach zu organisieren und schien sicher.

Das Problem daran ist evolutionär. Wenn alle Würmer regelmäßig demselben Wirkstoff ausgesetzt werden, überleben die widerstandsfähigen — und vermehren sich. Genau das ist passiert: Resistenzen gegen gängige Wirkstoffgruppen sind heute weit verbreitet, und neue Wirkstoffe sind nicht in Sicht.

Dazu kommt eine biologische Beobachtung: Die Wurmlast verteilt sich sehr ungleich. Als Faustregel tragen etwa 20 bis 30 Prozent der Pferde den Großteil der Wurmpopulation. Die Mehrheit der Pferde scheidet dauerhaft so wenige Eier aus, dass eine Behandlung ihnen nichts nützt — dem Bestand aber schadet, weil sie Resistenzen fördert.

So funktioniert die selektive Entwurmung

  1. Kotprobe nehmen. Frischer Kot von mehreren Äpfeln desselben Pferdes, sauber beschriftet, zügig ins Labor.
  2. Eizahl bestimmen lassen. Das Labor ermittelt die Eier je Gramm Kot.
  3. Schwellenwert anwenden. Verbreitet ist ein Grenzwert von 200 Eiern je Gramm — darunter wird nicht behandelt, darüber schon. Den Wert legt der Tierarzt fest.
  4. Wiederholen. Während der Weidesaison typischerweise alle acht bis zwölf Wochen.

Die Ausnahmen, die trotzdem behandelt werden

Selektiv heißt nicht „nur nach Kotprobe“. Zwei Parasiten werden im Standardverfahren nicht zuverlässig gefunden und deshalb unabhängig davon behandelt:

  • Bandwürmer — sie werden über die normale Eizahlbestimmung schlecht erfasst. Üblich ist eine gezielte Behandlung, meist im Herbst.
  • Magendasseln — die Larven sitzen im Magen und produzieren keine Eier im Kot. Behandelt wird nach dem ersten Frost.

Fohlen und Jungpferde bis etwa drei Jahre werden ebenfalls nach festem Schema behandelt, weil ihr Immunsystem noch keinen ausreichenden Eigenschutz aufgebaut hat und bei ihnen Spulwürmer eine echte Gefahr darstellen.

Was es kostet — und ob es sich rechnet

Eine Kotprobe kostet in der Größenordnung einer Wurmkur. Auf den ersten Blick spart man also nichts. Die Rechnung geht trotzdem auf, weil bei etwa zwei Dritteln der Untersuchungen keine Behandlung nötig ist — man zahlt die Analyse, aber nicht das Medikament.

Der eigentliche Wert liegt aber woanders: Wirksame Wirkstoffe bleiben wirksam. Ein Bestand mit vollständiger Resistenz hat ein Problem, das sich mit Geld nicht mehr lösen lässt.

Was im Betrieb organisiert werden muss

Selektive Entwurmung ist aufwendiger in der Verwaltung als ein festes Schema. Es reicht nicht, alle am selben Tag zu behandeln — es muss je Pferd nachvollziehbar sein, wann die letzte Probe genommen wurde, wie das Ergebnis war, ob behandelt wurde und mit welchem Wirkstoff.

Der Wirkstoffwechsel ist dabei kein Detail: Wer immer dasselbe Präparat einsetzt, züchtet Resistenzen auch bei selektivem Vorgehen. Ohne saubere Dokumentation weiß nach zwei Jahren niemand mehr, was zuletzt gegeben wurde.

Zweiter Hebel neben der Behandlung ist das Weidemanagement: Regelmäßiges Abäppeln der Koppeln senkt den Infektionsdruck erheblich — nach fachlicher Einschätzung wirksamer als jede zusätzliche Wurmkur. Ein durchdachter Koppelplan mit Rotation und Ruhephasen wirkt in dieselbe Richtung.

Hinweis: Entwurmungsstrategie, Schwellenwerte und Wirkstoffwahl gehören in tierärztliche Hand. Dieser Beitrag gibt einen Überblick und ersetzt keine Beratung.

Begriffe aus diesem Artikel

  • Koppelplan — Ein Koppelplan regelt, welche Pferdegruppe wann auf welcher Weidefläche steht.
  • Kotprobe (Eizahlbestimmung) — Bei einer Kotprobe wird die Anzahl der Wurmeier je Gramm Kot bestimmt.
  • Wurmkur — Eine Wurmkur ist die medikamentöse Behandlung gegen Endoparasiten.

Zum vollständigen Glossar →

Entwurmung nachvollziehbar dokumentieren

In Cabalgo hinterlegst du je Pferd Kotprobenergebnisse, eingesetzte Wirkstoffe und die nächste Fälligkeit — für den ganzen Bestand auf einen Blick. So bleibt der Wirkstoffwechsel nachvollziehbar.

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Häufige Fragen

Wie oft muss ein Pferd entwurmt werden?

Bei selektiver Entwurmung nur dann, wenn die Kotprobe eine behandlungsbedürftige Eizahl zeigt. Unabhängig davon werden üblicherweise eine Bandwurmbehandlung und eine Behandlung gegen Magendasseln nach dem ersten Frost durchgeführt. Fohlen und Jungpferde werden weiterhin nach festem Schema behandelt.

Was kostet eine Kotprobe beim Pferd?

Die Kosten liegen etwa in der Größenordnung einer Wurmkur. Da bei einem großen Teil der Proben keine Behandlung nötig ist, gleicht sich der Aufwand über das Jahr meist aus — bei gleichzeitig geringerem Resistenzdruck.

Ist selektive Entwurmung auch für große Bestände sinnvoll?

Gerade dort. Je größer der Bestand, desto stärker wirkt sich Resistenzbildung aus und desto größer der Anteil der Pferde, die unnötig behandelt würden. Voraussetzung ist eine Dokumentation, die je Pferd Probenergebnis, Behandlung und Wirkstoff nachvollziehbar hält.

Reicht Entwurmung allein gegen Wurmbefall?

Nein. Regelmäßiges Abäppeln der Weiden und eine durchdachte Koppelrotation senken den Infektionsdruck oft wirksamer als zusätzliche Behandlungen. Medikament und Weidemanagement gehören zusammen.

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