Was gehört ins Pferdeprofil? Die vollständige Checkliste
Von der Chipnummer bis zum Body-Condition-Score: Welche Angaben ein Pferdeprofil wirklich braucht — und welche du im Ernstfall schmerzlich vermisst.
Cabalgo Redaktion · 31. Juli 2026 · 7 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Ein vollständiges Pferdeprofil besteht aus vier Blöcken: Identifikation (Name, Rasse, Geschlecht, Farbe, Abzeichen, Geburtsdatum, Chipnummer, UELN, Equidenpass, Abstammung), Gesundheit (Impfungen, Entwurmungen, Medikamente, Allergien, Befunde, Gewicht und BCS), Pflege (Fütterungsplan, Hufbeschlag, Boxennummer, Bewegungsprotokoll) und Verwaltung (Besitzerdaten, Notfallkontakt, Versicherung, Tierarzt- und Schmiedkontakte).
Warum die Zettelwirtschaft irgendwann kippt
Solange du ein Pferd hast, funktioniert der Impfpass in der Schublade. Bei drei Pferden wird es unübersichtlich, ab etwa zehn wird es zum Risiko. Der typische Moment, in dem es auffällt: Der Tierarzt steht im Stall und fragt, wann die letzte Wurmkur war — und niemand weiß es sicher.
Ein digitales Pferdeprofil löst nicht das Problem, dass Daten erfasst werden müssen. Es löst das Problem, dass sie auffindbar sein müssen: von mehreren Personen, an einem Ort, ohne Rückfragen.
Block 1: Identifikation
Diese Angaben brauchst du für Behörden, Turniere, Verkauf und im Notfall. Sie ändern sich fast nie und sind trotzdem am häufigsten unvollständig.
- Name, Rasse, Geschlecht, Farbe, Abzeichen — die Basisidentifikation. Abzeichen sind wichtiger, als man denkt: Sie sind das, woran ein fremder Tierarzt das Pferd im Stall erkennt.
- Geburtsdatum und Geburtsort — Grundlage für Altersberechnung und Zuchtdokumentation.
- Chipnummer (Transponder) — seit 2009 ist die Kennzeichnung für alle Equiden in der EU verpflichtend.
- UELN — die weltweit eindeutige Lebensnummer des Pferdes.
- Equidenpass und, sofern vorhanden, der FEI-Pass für internationale Starts.
- Abstammung — Vater, Mutter, Muttervater. Beim Verkauf das Erste, wonach gefragt wird.
- Stockmaß — entscheidet über Klasseneinteilung bei Ponys und ist für den Transport relevant.
Block 2: Gesundheit
Der Teil, der am meisten Ärger spart. Wichtig ist nicht nur, was gemacht wurde, sondern wann das Nächste fällig ist.
- Impfungen und Entwurmungen mit nächster Fälligkeit — welche Fristen gelten, steht im Detail in unserem Beitrag zu Impffristen beim Pferd.
- Medikamente mit Dosierung und Anwendungszeitraum — besonders wichtig, wenn mehrere Personen füttern.
- Diagnosen und Befunde inklusive Datum und behandelndem Tierarzt.
- Allergien und Unverträglichkeiten — gehört an eine Stelle, die jeder sofort sieht.
- Blutgruppe — im Notfall zählen Minuten.
- Gewicht und Body Condition Score — der BCS zeigt Entwicklungen, die auf der Waage untergehen.
- Physiotherapie und Zahnbehandlungen — meist der am schlechtesten dokumentierte Bereich.
Block 3: Pflege und Alltag
Das ist der Teil, der die Vertretung am Wochenende rettet.
- Fütterungsplan mit Sorten, Mengen und Zeiten — nicht „zwei Schippen“, sondern Kilogramm.
- Hufpflege und Beschlag mit Intervall und Besonderheiten.
- Boxennummer und Stallbereich — im Boxenplan hinterlegt.
- Bewegungsprotokoll — wer war wann mit dem Pferd unterwegs.
- Ausrüstung — welcher Sattel, welche Trense, welche Decke bei welcher Temperatur.
Block 4: Verwaltung
Der unromantische Teil, der im Streitfall zählt.
- Besitzerdaten und Notfallkontakt — mit einer Nummer, die auch nachts jemand abnimmt.
- Einstellervertrag als hinterlegtes Dokument.
- Versicherung mit Policennummer.
- Tierarzt, Schmied, Physiotherapeut mit direkter Kontaktmöglichkeit.
- Kosten pro Pferd — Grundlage jeder ehrlichen Kalkulation.
Wie viele Felder sind sinnvoll?
Es gibt keine Zahl, die für alle stimmt. Ein Privatreiter mit einem Freizeitpferd kommt mit einem Bruchteil aus. Ein Zuchtbetrieb mit Verkaufspferden braucht zusätzlich Trächtigkeitsdaten, Zuchtverband und Turnierhistorie. Die Faustregel: Erfasse alles, wonach in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal jemand gefragt hat. Alles andere ist Ballast, der nicht gepflegt wird und dadurch unzuverlässig wird.
Ein Profil, dem niemand traut, ist schlimmer als gar keins — weil man sich trotzdem darauf verlässt.
Begriffe aus diesem Artikel
- Body Condition Score (BCS) — Der Body Condition Score ist eine standardisierte Bewertung des Ernährungszustands eines Pferdes.
- Boxenplan — Der Boxenplan ist die Übersicht darüber, welches Pferd in welcher Box steht.
- Einstellervertrag — Der Einstellervertrag regelt die Unterbringung und Versorgung eines fremden Pferdes in einem Betrieb.
- Equidenpass — Der Equidenpass ist das gesetzlich vorgeschriebene Identitätsdokument eines Pferdes.
- FEI-Pass — Der FEI-Pass ist das Identitätsdokument des Weltreiterverbands FEI.
- Hufbeschlag — Der Hufbeschlag ist die Versorgung der Pferdehufe durch Hufschmied oder Hufpfleger — mit Eisen, alternativen Beschlägen oder als reine Barhufbearbeitung.
- Transponder (Chipnummer) — Ein Transponder ist ein reiskorngroßer Mikrochip, der dem Pferd in die Halsmuskulatur implantiert wird.
- UELN — Die UELN (Universal Equine Life Number) ist eine international eindeutige, lebenslang gültige Kennnummer für Pferde.
Alle Pferdedaten an einem Ort
Cabalgo bildet genau diese vier Blöcke ab — mit über 60 Feldern pro Pferd, Fälligkeiten für Impfungen und Wurmkuren, Fütterungsplan und Dokumentenablage. Für Betriebe mit Team ebenso wie für Privatreiter mit ein bis drei Pferden.
Funktionen ansehenHäufige Fragen
Welche Angaben zum Pferd sind gesetzlich vorgeschrieben?
Verpflichtend sind die Kennzeichnung mit einem Transponder (Chip) und ein Equidenpass. Beides ist in der EU seit 2009 für alle Equiden vorgeschrieben. Der Equidenpass muss dem Pferd zugeordnet und bei Transporten mitgeführt werden. Alle weiteren Angaben sind freiwillig, aber praktisch unverzichtbar.
Was ist der Unterschied zwischen Chipnummer und UELN?
Die Chipnummer ist die 15-stellige Kennung des implantierten Transponders und wird beim Scannen ausgelesen. Die UELN ist die Universal Equine Life Number, eine international eindeutige Lebensnummer, die vom ausstellenden Zuchtverband vergeben wird. Beide identifizieren dasselbe Pferd, dienen aber unterschiedlichen Systemen.
Reicht ein Impfpass in Papierform?
Rechtlich ja — der Equidenpass mit Impfeintragungen bleibt das offizielle Dokument, und Turniereintragungen erfolgen weiterhin dort. Praktisch ist eine digitale Zweitführung sinnvoll, weil sie Fälligkeiten überwacht und mehreren Personen gleichzeitig zugänglich ist. Der Papierpass wird dadurch nicht ersetzt, sondern ergänzt.