Pferd & Gesundheit

Kolik beim Pferd erkennen: Symptome, Sofortmaßnahmen, Vorbeugung

Scharren, zum Bauch schauen, hinlegen und wieder aufstehen: Woran du eine Kolik erkennst, was du sofort tun solltest — und was du besser lässt.

Cabalgo Redaktion · 31. Juli 2026 · 7 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Typische Anzeichen einer Kolik sind Scharren, wiederholtes Hinlegen und Aufstehen, Blick zum Bauch, Schwitzen, Unruhe, fehlender Kotabsatz und ein aufgeblähter Leib. Jede Kolik gilt zunächst als Notfall: Tierarzt rufen, Puls, Atmung und Temperatur messen, Futter wegnehmen, Wasser anbieten und das Pferd ruhig beobachten. Wälzen soll man nicht um jeden Preis verhindern, aber ein Pferd, das sich heftig wirft, sollte kontrolliert geführt werden.

Warum jede Kolik zunächst ein Notfall ist

Kolik ist keine Diagnose, sondern ein Symptom. Dahinter kann eine harmlose Verstopfung stecken, die sich mit einem Krampflöser innerhalb einer Stunde erledigt — oder eine Darmverlagerung, bei der jede Stunde ohne Operation die Überlebenschance senkt.

Das Problem: Von außen sehen beide Verläufe zu Beginn ähnlich aus. Deshalb gilt die einfache Regel, die jeder Tierarzt bestätigt: Lieber einmal zu früh anrufen als einmal zu spät.

Die Anzeichen, nach Deutlichkeit sortiert

Kolik entwickelt sich meist schleichend. Die frühen Zeichen sind unauffällig und werden regelmäßig übersehen.

Frühe Anzeichen

  • Das Pferd frisst nicht oder lässt Futter liegen, das es sonst mag
  • Es steht abseits, wirkt teilnahmslos oder ungewöhnlich unruhig
  • Häufiges Umschauen zur Flanke
  • Scharren mit einem Vorderbein
  • Kein oder auffällig wenig Kot in der Box

Deutliche Anzeichen

  • Wiederholtes Hinlegen und sofortiges Aufstehen
  • Flehmen, Zähneknirschen
  • Schwitzen ohne Belastung, besonders an Flanken und hinter den Ohren
  • Aufgeblähter, gespannter Bauch
  • Treten gegen den Bauch

Alarmzeichen

  • Heftiges, unkontrolliertes Wälzen und Werfen
  • Puls dauerhaft über 60 Schlägen pro Minute
  • Blasse oder bläuliche Schleimhäute
  • Apathie im Wechsel mit heftigen Schmerzattacken

Was du tust, bis der Tierarzt da ist

  1. Tierarzt anrufen. Nicht erst abwarten, ob es besser wird. Beschreibe am Telefon konkret, was du siehst.
  2. Vitalwerte messen. Puls, Atmung, Temperatur. Diese drei Zahlen sind für die Ersteinschätzung am Telefon Gold wert — ein Ruhepuls über 60 ist ein deutliches Warnsignal.
  3. Futter entfernen. Heu und Kraftfutter aus der Box, damit nicht weiter gefressen wird.
  4. Wasser anbieten. Trinken ist erlaubt und erwünscht.
  5. Beobachten und dokumentieren. Wann begannen die Symptome, wann war der letzte Kotabsatz, wurde etwas gegeben?

Was du besser lässt

Zwei verbreitete Ratschläge sind überholt oder gefährlich:

  • Stundenlanges Zwangsführen ist kein Selbstzweck. Ruhiges Führen kann helfen, ein erschöpftes Pferd im Kreis zu treiben, hilft niemandem.
  • Eigenmächtige Schmerzmittelgabe. Sie verschleiert das Krankheitsbild und erschwert dem Tierarzt die Beurteilung. Nur nach Rücksprache.

Zum Wälzen: Die alte Regel, Wälzen unbedingt zu verhindern, gilt so nicht mehr. Kontrolliertes Ablegen ist unproblematisch. Wirft sich ein Pferd allerdings heftig und wiederholt, besteht Verletzungsgefahr für Pferd und Mensch — dann sollte es ruhig geführt werden, soweit das gefahrlos möglich ist.

Vorbeugung: die vier wirksamsten Hebel

Kolik lässt sich nicht ausschließen, aber das Risiko deutlich senken. Wirksam sind vor allem Fütterung und Wassermanagement.

  • Ausreichend Raufutter ohne lange Fresspausen. Pausen über vier Stunden gelten als kritisch. Mindestens 1,5 Kilogramm je 100 Kilogramm Körpergewicht täglich.
  • Kraftfutter in kleinen Portionen. Nicht mehr als etwa ein Kilogramm pro Mahlzeit.
  • Futterwechsel langsam. Über sieben bis vierzehn Tage umstellen, das gilt auch fürs Anweiden.
  • Wasseraufnahme sichern. Im Winter ist zu kaltes Wasser eine der häufigsten Ursachen für Verstopfungskoliken, weil die Pferde schlicht zu wenig trinken.

Dazu kommt regelmäßige Zahnkontrolle — schlecht gekautes Futter ist eine typische Ursache — und ein durchdachtes Entwurmungsmanagement.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Kolik gilt immer: zuerst den Tierarzt kontaktieren.

Begriffe aus diesem Artikel

  • Kolik — Kolik ist der Sammelbegriff für Bauchschmerzen beim Pferd.
  • Kraftfutter — Kraftfutter ist energiereiches Ergänzungsfutter wie Hafer, Gerste, Mais oder Mischfutter.
  • Raufutter — Raufutter ist strukturreiches Futter wie Heu, Heulage oder Stroh.
  • Vitalwerte (PAT-Werte) — Die Vitalwerte eines Pferdes umfassen Puls, Atmung und Temperatur — kurz PAT.
  • Weidegang und Anweiden — Weidegang ist die Haltung auf der Grasfläche.
  • Zahnkontrolle — Pferdezähne wachsen lebenslang nach und nutzen sich ungleichmäßig ab.

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Häufige Fragen

Wie schnell muss man bei einer Kolik den Tierarzt rufen?

Sofort. Weil sich harmlose und lebensbedrohliche Verläufe anfangs kaum unterscheiden lassen, ist Abwarten das größte Risiko. Bei einer Darmverlagerung entscheiden Stunden über die Prognose.

Darf sich ein Pferd mit Kolik wälzen?

Kontrolliertes Ablegen und Wälzen ist nicht per se gefährlich. Die früher verbreitete Regel, Wälzen unbedingt zu verhindern, gilt so nicht mehr. Wirft sich ein Pferd allerdings heftig und wiederholt, sollte es ruhig geführt werden, soweit das ohne Eigengefährdung möglich ist.

Welche Vitalwerte sind bei Kolik wichtig?

Vor allem der Puls: In Ruhe liegt er beim erwachsenen Pferd bei etwa 28 bis 44 Schlägen pro Minute. Dauerhaft über 60 gilt als deutliches Warnsignal. Zusätzlich Atmung, Temperatur, Schleimhautfarbe und die Frage, wann zuletzt Kot abgesetzt wurde.

Kann man einer Kolik vorbeugen?

Vollständig ausschließen lässt sie sich nicht. Das Risiko sinkt aber deutlich durch ausreichend Raufutter ohne lange Fresspausen, kleine Kraftfutterportionen, langsame Futterumstellungen, gesicherte Wasseraufnahme und regelmäßige Zahnkontrollen.

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